Schmetterlinge im Bauch?
Jetzt, wo der Frühling beginnt, ist uns Amor besonders günstig gesonnen. Woher kommt die plötzliche Bereitschaft für das große Gefühl?
Forscher entzaubern die romantischen Frühlingsgefühle gern als Resultat "unspezifischer Vorerregungen". So seien die Gefühlserlebnisse intensiver, wenn sie mit Farben und Gerüchen verbunden sind, weiß Professor Dr. Alfons Hamm, Psychologe aus Greifswald. Und nach den langen dunklen Monaten im einheitlichen Grau biete die Natur mit ihren frischen Grün-, Gelb- und Rottönen jetzt einen wahren Farbenrausch. Und das ist nicht alles.
Die lauen Lüfte und Düfte wirken animierend
Die intensiven Düfte der Frühblüher gehen ohne Umwege in die Gefühlszentren des Gehirns. Die wärmenden Sonnenstrahlen sorgen für gut durchblutete Haut, mit frischem Teint und mehr Sensibilität für Berührungen und die Wärme vermittelt nach den kalten Tagen Geborgenheit. Mit zunehmendem Tageslicht sinkt zudem auch der hormonelle Müdemacher, "Melatonin" im Blut. Unter all dem, so der Gefühlsforscher abschließend, steigen Erwartungshaltung - auch für amoröse Erlebnisse.
Verantwortlich für das große Gefühl selbst, so der Schweizer Neurowissenschaftler Andreas Bartels, sind dabei ernüchternde vier Quadratzentimeter unseres Gehirns. Hier greifen zum Beispiel auch Drogen, wie Kokain an. Das Resultat der frühsommerlichen Stimulation: ein gewisser Größenwahn, ausreichend für einen Höhenflug ohne Absturzängste. Und mit der Stimulation der vier "Liebesareale" werde gleichzeitig die Funktion derjenigen Hirnregionen beeinträchtigt, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Angst und komplizierte Problemlösungen wichtig sind. Das erkläre die "rosarote Brille": ein tollkühnes Gefühl mit Denkschwäche.
Die winzigen Gehirnregionen sorgen aber auch für die Ausschüttung erregender Botenstoffe wie Dopamin oder Adrenalin. Tritt unter solchen aufputschenden Konstellationen ein attraktiver Partner auf den Plan, glauben wir, er sei Auslöser der Verwirrung. Professor Manfred Hassebrauck, Sozialpsychologe aus Wuppertal nennt das "Erregungstransfer".
Völlig ausgeliefert seien wir der Chemie aber nicht. Die Biodrogen verwandeln keine Frösche in Prinzen, so die Forscher. Erfahrung und Verstand wirken, wenn auch abgeschwächt, als Filter. Nur gegen das resultierende flaue Gefühl im Magen haben wir wenig Chancen.
Soll nun das schönste und zugleich chaotischte aller Gefühle seine Wurzeln nur in biochemischen Botenstoffen und spezifischen Gehirnaktivitäten haben? Sicher nicht!
"Kaum etwas ist wissenschaftlich schwerer zu erfassen, als das Gefühlsleben", so Hamm. Äußere Reize haben darauf ebenso einen Einfluss, wie Innere. So ergibt sich für die Entscheidung "Frosch oder Prinz" ein komplexes Netzwerk.
Gefühle - ein Wechselspiel auf vielen Ebenen
Klänge, Farben, Gerüche, Sonnenwärme, der richtigen Hormoncocktail sowie bewusste und unbewusste Denkabläufe sind dabei längst nicht alles. Erinnerungen, Erwartungen und Ängste spielen unbewusst mit rein und - nicht zu unterschätzen - die Fantasie. Alle zusammen dirigieren die Aktivitäten von Körper und Gehirn, inklusive der Körpersprache. Was wir letztlich fühlen, ist nur die Spitze dieses Eisberges. Ein komplexes Wechselspiel auf vielen Ebenen.
Ob es jenseits davon noch so etwas wie Bestimmung oder Magie gibt, wird ein Geheimnis bleiben. In den Augen der Wissenschaft ist das "Romantik". Auch was Schönes!
ssch
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