Helden leiden weniger

- Foto: pixelio
«Ganz tapfer sein» hilft tatsächlich: Wer sich als Held fühlt und seinem Schmerz einen Sinn beimisst, der hat darunter weniger zu leiden als jemand, der sich als Feigling fühlt und vermeintlich umsonst gepiesackt wird.
Diesen Zusammenhang zwischen der eigenen Rollenwahrnehmung und dem Schmerzempfinden belegten Forscher um Prof. Gerd Folkers von der Uni ETH Zürich.
Leiden für die Rettung der Prinzessin
Sie ließen 21 Probanden in verschiedene Rollen schlüpfen: In einem Szenario übernahmen die Teilnehmer die Rolle des Helden, der eine Prinzessin retten muss. In einem Labyrinth begegneten sie schließlich ihrem Widersacher, der ihnen anbot, die Prinzessin freizugeben, wenn sie dafür bereit wären zu leiden. Hitzereize am Unterarm waren der Preis für die Befreiung der Prinzessin.
In einem anderen Spiel dachten sich die Probanden in die Rolle des Feiglings hinein. Passiv und eingesperrt waren sie den Schikanen des Gegners ausgeliefert und mussten den sinnlosen Schmerz über sich ergehen lassen. Zur Kontrolle testeten die Forscher die Schmerztoleranz außerdem nach der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes und nach einer zehnminütigen Ruhepause.
Psychische Faktoren haben großen Einfluss auf die Wahrnehmung
Um die Schmerztoleranz zu ermitteln, maßen die Wissenschaftler die Leitfähigkeit der Haut, ließen die Studienteilnehmer die Intensität des Schmerzes selbst einschätzen und zeichneten ihre Stimmen vor und nach dem Experiment auf.
Bei der Auswertung zeigte sich, dass die Probanden in der Heldenrolle den Schmerz zwar intensiver, aber nicht unangenehmer empfunden hatten. Sie tolerierten höhere Temperaturen als in der Rolle des Feiglings und bei der Kontrollmessung. Bei den "Feiglingen" hingegen sank die Schmerztoleranz sogar gegenüber der Kontrolle: niedrigere Temperaturen wurden schon als schmerzhaft empfunden.
Die Schmerztoleranz der Frauen war generell niedriger und ihre Schmerzbewertung war höher als die der Männer. Die Fähigkeit, in der Rolle ihre Schmerztoleranz zu steigern, war aber bei beiden Geschlechtern gleich.
idw / fs
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