Zu viel Fleisch und Süßes und zu wenig Nudeln und Obst

Kinder essen zu viel Fleisch und Süßes und zu wenig Nudeln und Obst

Foto: Bilderbox

Abwechslungsreiche Mischkost mit viel Obst und Gemüse. Von diesem Ideal sind deutsche Kinder jedoch meilenweit entfernt, beweist der Ernährungsbericht 2008. Das hat man ja beinahe erwartet. Höchst erstaunlich ist dagegen folgendes Ergebnis: Kinder essen auch zu wenig Nudeln. 

Der jüngst publizierte "Ernährungsbericht 2008" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) berichtet über die Ergebnisse von zwei groß angelegten Studien, die Eltern nachdenklich machen sollten. Die VELS-Studie untersuchte Lebensmittelverzehr und Nährstoffzufuhr bei 732 Kindern im Säuglings- und Kleinkindalter zwischen sechs Monaten bis unter fünf Jahren. An der EsKiMo-Studie nahmen 2506 Kinder und Jugendliche teil.

Als Maßstab galt das vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund entwickelte Konzept der optimierten Mischkost. Die wichtigsten Empfehlungen darin: Getränke, Brot, Getreide und Getreideflocken, Kartoffeln, Reis, Gemüse und Obst sollen reichlich verzehrt werden; Milch und Milchprodukte, Fleisch und Wurst sowie Fisch und Eier mäßig, Öle und Fette sparsam.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das offenbart der Ernährungsbericht. Die Studienergebnisse auf einen Blick:

  • Die empfohlenen Obstmengen wurden nur von Kindern im Alter unter zwei Jahren erreicht. Im Alter zwischen zwei und vier Jahren essen 29 Prozent der Jungen, bzw. 37 Prozent Mädchen weniger als die Hälfte der empfohlenen Obstmengen.
        
  • Noch ungünstiger ist die Situation beim Gemüse. Insgesamt essen 70 Prozent der Jungen und 72 Prozent der Mädchen unter fünf Jahren täglich weniger als die Hälfte der empfohlenen Gemüsemengen.
      
  • Die meisten Kinder essen auch zu wenig Kartoffeln, Nudeln, Reis, Getreideflocken, Brot und Backwaren. Insgesamt erreichen nur neun Prozent der Jungen und fünf Prozent der Mädchen die empfohlenen Mengen an kohlenhydratreichen pflanzlichen Lebensmitteln.
     
  • Die Ernährung von Kleinkindern enthält zu viele gesättigte Fettsäuren und deutlich zu wenig mehrfach ungesättigte Fettsäuren.
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    Das Essen von Kindern ist übersalzen: Die Zufuhr von Natrium liegt erheblich über den empfohlenen Werten. Zu viel Salz im Essen kann den Blutdruck in die Höhe treiben.
     
  • Die empfohlene Menge von acht Milligramm Eisen pro Tag wird von über der Hälfte der Kinder nicht erreicht.
     
  • Vier- bis Fünfjährige verzehren dagegen täglich ca. 40 Gramm Zucker und Süßwaren.
     
  • Bei Fleisch, Wurst und Eiern wurden die empfohlenen Mengen bereits ab dem ersten Lebensjahr im Mittel erreicht bzw. bei den älteren Kindern deutlich überschritten. Dabei klappt die Schere weit auseinander. Jedes fünfte Kind bekommt weniger als die Hälfte der empfohlenen Fleischmengen. Andererseits erhalten aber 35 Prozent der Jungen, bzw. 30 Prozent der Mädchen mehr als das 1,5-fache und 19 Prozent der Jungen, bzw. 14 Prozent der Mädchen sogar mehr als das Doppelte der für ihre Altersklasse empfohlenen Fleischmengen.
     

Die Folgen zeigen sich auf der Waage: 15 Prozent aller Kinder im Alter von 3 bis 17 Jahren sind übergewichtig, 6,3 Prozent gelten als adipös, also bereits fettsüchtig. Hochgerechnet sind das 1,9 Millionen dicke und rund 800.000 fettsüchtige Kinder und Jugendliche in Deutschland. Das bedeutet gleichzeitig einen Anstieg seit den 1980er und 1990er Jahren um 50 Prozent. Der Anteil fettsüchtiger Kinder in der Altersgruppe zwischen 14 und 17 hat sich verdreifacht.

Vollkornprodukte und fettreduzierte Lebensmittel
Die Schlussfolgerungen lauten: Kinder sollten mehr pflanzliche Lebensmittel, vor allem Gemüse, Obst, Brot und Kartoffeln zu essen bekommen. Sie sollten mehr Vollkornmehl, Vollkornbrot, Nudeln oder Reis anstelle von niedrig ausgemahlenen, hellen Getreideprodukten erhalten.

Anstelle der beliebten süßen Colagetränken und kalorienreicher Limonaden sollte schlichtes Leitungswasser oder Mineralwasser auf den Tisch kommen. Eltern sollten beim Einkauf fettreduzierte Milchprodukte gegenüber Vollmilchprodukten oder mit Sahne angereicherten Produkten bevorzugen. Besonders wichtig: Mehr Brot, dick geschnitten und nur wenig Belag, möglichst dünn geschnitten! Fettreiche Wurst und Fleisch sollten durch fettärmere Varianten ersetzt und insgesamt reduziert werden.

Mehr zum Thema:
Das Adipositaspräventionsprojekt "TigerKids"



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