Doping am Arbeitsplatz: Rund 2 Millionen tun's

- Foto: Bilderbox
Was im Sport klappt, muss doch auch im Job funktionieren. So denken rund 2 Millionen Deutsche und greifen ab und an zu aufputschenden Mitteln, um ihre beruflichen Leistungen zu verbessern. Das ergab der DAK-Gesundheitsreport 2009.
Für ihren Gesundheitsreport 2009 griff die DAK erstmals das Thema Doping am Arbeitsplatz auf. Der Chef der Kasse Herbert Rebscher erklärt: "Insbesondere chronischer Stress in der modernen Arbeitswelt ist ein ernsthafter Risikofaktor für seelische Krankheiten."
Für den Report befragte die Kasse unter anderem 3.000 Arbeitnehmer im Alter von 20 bis 50 Jahren. Die repräsentativen Ergebnisse sind alarmierend:
- Vier von 10 Beschäftigten wissen, dass Medikamente gegen alters- und krankheitsbedingte Gedächtnisstörungen oder Depressionen auch bei Gesunden wirken können.
- Zwei von zehn Befragten meinen, dass die Risiken dieser Arzneimittel im Vergleich zum Nutzen vertretbar sind.
- Jedem fünften Arbeitnehmer haben insbesondere Kollegen, Freunde und Familie bereits leistungssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente ohne medizinische Notwendigkeit empfohlen. Bemerkenswert: Knapp jede dritte Empfehlung kommt von Ärzten.
- Nahezu genau so viele (18,5 Prozent) kennen mindestens eine Person, die leistungssteigernde oder stimmungsaufhellende Medikamente ohne medizinische Erfordernis eingenommen hat.
- Dagegen gibt nur jeder 20. (5 Prozent) zu, als Gesunder tatsächlich schon einmal mit derartigen Medikamenten nachgeholfen zu haben.
Stichwort DAK-Gesundheitsreport
Für den Gesundheitsreport 2009 hat die DAK die Krankschreibungen von 2,5 Millionen erwerbstätigen Mitgliedern mit Hilfe des IGES Instituts aus Berlin ausgewertet.
Demnach stieg der Krankenstand 2008 auf 3,3 Prozent (2007: 3,2 Prozent). Dabei legten die psychischen Krankheiten 2008 im Vergleich zum Vorjahr mit 7,9 Prozent überproportional zu. Zwischen 1998 und 2008 stieg ihr Anteil am Krankenstand um gut 60 Prozent von 6,6 auf 10,6 Prozent.
Dies sind hochgerechnet immerhin gut zwei Millionen Beschäftigte in Deutschland. Davon nehmen weniger als die Hälfte (bis etwa 0,8 Millionen) regelmäßig und sehr gezielt diese Medikamente als Doping und beziehen sie außerhalb der Apotheke. So nehmen vier von zehn "Dopern" die Medikamente täglich bis mehrmals wöchentlich ein. Etwa jeder Fünfte nennt als Bezugsquelle Kollegen, Freunde und die Familie und mehr als jeder Zehnte den Versandhandel.
Der Gesundheitsreport zeigt Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer neigen eher zu aufputschenden und konzentrationsfördernden Präparaten, Frauen bevorzugen beruhigende Mittel gegen depressive Verstimmungen oder Ängste. "Männer frisieren ihr Leistungspotenzial - Frauen polieren ihre Stimmungen auf", kommentiert DAK-Chef Herbert Rebscher.
Die DAK warnt davor, Medikamente wie Antidepressiva, Mittel gegen Demenz und ADHS oder Betablocker ohne medizinische Begründung einzunehmen, nur um seine Leistung zu steigern oder besser drauf zu sein. "Konzentriert, kreativ, karrierebewusst: Der Wunsch, immer perfekt sein zu müssen, lässt sich auch durch Medikamente nicht erfüllen"; sagt Rebscher. Es bestehe auf lange Sicht ein hohes Nebenwirkungs- und Suchtpotenzial.
"Derzeit ist Doping am Arbeitsplatz zwar noch kein weit verbreitetes Phänomen, weil viele Menschen die Nebenwirkungen fürchten", bilanziert Rebscher. "In Zukunft wird sich durch die zunehmende Medikalisierung der Gesellschaft und nebenwirkungsärmere Medikamente die Entwicklung beschleunigen", prognostiziert der DAK-Chef.
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