Frauenkrankheit Depression?

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Laut Statistik sind Depressionen ein vorrangig weibliches Phänomen: Rund zwei bis drei Mal so viele Frauen wie Männer erkranken daran. Die Zahlen sagen in diesem Fall jedoch nur die halbe Wahrheit.
"Frauen gehen grundsätzlich rund doppelt so häufig zum Arzt wie Männer", erklärt Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK. "Entsprechend tauchen sie auch häufiger in der Statistik auf."
Die Anzahl der Suizide besagt etwas anderes: Laut Statistischem Bundesamt liegt sie bei Männern rund drei Mal so hoch wie bei Frauen. Zwar geht nicht jeder Freitod auf eine psychische Erkrankung zurück, aber: "Die große Zahl der männlichen Suizide lässt darauf schließen, dass Depressionen im Vorfeld vielfach nicht erkannt werden", sagt Meiners.
Laut DAK-Gesundheitsreport sind psychische Erkrankungen insgesamt auf dem Vormarsch: Bei Männern zum Beispiel stieg die Anzahl der Fehltage aufgrund seelischer Leiden seit 2000 um 12,5 Prozent. Wegen depressiver Störungen gab es bei ihnen sogar 26,2 Prozent mehr Fehltage.
Männer ticken anders (aus)
Schuld daran, dass männliche Depressionen oft unentdeckt bleiben, sind die vermeintlich untypischen Symptome. Wenn friedliebende Männer plötzlich "ausrasten", stecken oft nicht nur angestaute Aggressionen dahinter. Möglicherweise ist auch eine verborgene Depression die Ursache.
Doch Wutausbrüche, Kamikaze-Manöver mit dem Auto oder gewalttätige Übergriffe entsprechen nicht den klassischen Anzeichen einer Depression und fallen daher durchs Erkennungs-Raster. Wie in anderen Fällen auch, ticken Männer hier anders als Frauen. Anstatt sich niedergeschlagen und verzweifelt von der Welt zurückzuziehen, schlägt ihre Ohnmacht in Wut um. "Männer tendieren zu aggressivem Verhalten, weil das dem typisch männlichen Selbstbild eher entspricht als der leise Rückzug", erläutert der Experte. "Das erschwert die Diagnose."
Wenn der Körper für die Seele leidet
Nicht alle depressiven Männer reagieren jedoch mit Gewalt. Da es ihnen häufig schwerfällt, über psychische Probleme zu sprechen, übertragen viele ihre Beschwerden auf den Körper. "Anstatt über die Wunden auf ihrer Seele zu klagen, sprechen Männer über greifbare, physische Probleme: Rückenschmerzen, Magen- oder Herzbeschwerden sind häufig körperlicher Ausdruck einer psychischen Erkrankung", berichtet Meiners.
Viele depressive Männer leiden auch unter sexuellen Problemen oder haben weniger Lust auf Sex. Dies macht ihnen oft besonders schwer zu schaffen, da sie um ihre Männlichkeit fürchten.
Extreme Fluchten
Um Körper und Seele wieder Herr zu werden, entwickeln depressive Männer oft exzessive Verhaltensweisen. "Während die einen jede freie Minute für den nächsten Marathon trainieren, können sich andere gar nicht mehr vom Arbeitsplatz lösen. Beides sind Ausgleichsstrategien, um die scheinbar bedrohte Männlichkeit wieder herzustellen", erklärt der DAK-Psychologe.
Auch der Missbrauch von Rauschmitteln ist eine typische Reaktion. "Hinter Alkoholabhängigkeit verbergen sich häufig Depressionen", sagt Meiners. Das Dilemma: Da dies den Betroffenen oft nicht bewusst ist, werden lediglich die Symptome behandelt, nicht aber die eigentliche Ursache. "Psychische Erkrankungen und Depressionen bei Männern sind ein wichtiges Feld für die ärztliche Fortbildung", zieht Frank Meiners Bilanz. "Dadurch können diese Erkrankungen frühzeitig erkannt und zielgerichtet behandelt werden."
Diese Kennzeichen können bei Männern auf eine Depression hinweisen
- Die Betreffenden regen sich schnell über Kleinigkeiten auf und reagieren aggressiv.
- Sie leisten im Beruf merklich weniger und wissen oft nicht, warum.
- Viele treiben exzessiv Sport.
- Sie trinken regelmäßig Alkohol oder nehmen Medikamente zur Entspannung.
- Sie schlafen nachts schlecht und sind tagsüber ständig erschöpft.
- Sie ertragen weniger Stress als früher und sind leicht aus der Bahn zu werfen.
- Sie fühlen sich oft ängstlich, ruhelos oder niedergeschlagen.
- Sie fühlen sich ausgebrannt und wie gelähmt.
- Sie haben öfter Selbstmordgedanken
Quelle: DAK
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