Wenn die Burnout-Falle droht

Wer sich keine Auszeiten gönnt, bleibt in der Burnout-Falle gefangen

Foto: Bilderbox

Starker Zeit- und Erfolgsdruck im Beruf, dazu Ärger mit dem Partner: Viele Menschen in Deutschland leiden unter Dauerstress. Folgt auf Phasen der Anspannung keine Erholung, droht das sogenannte Burnout-Syndrom.

Eigentlich hatte Ralph Schwaiger seinen Traumberuf. Er war als Export-Manager eines großen Unternehmens erfolgreich, ständig auf Reisen im Ausland oder in Besprechungen, immer gut informiert und permanent per Handy erreichbar. In seiner Freizeit ging er ins Fitness-Studio, aber abschalten konnte er auch dort nicht.

Starker Zeit- und Erfolgsdruck im Beruf, dazu Ärger mit dem Partner: Viele Menschen in Deutschland leiden unter Dauerstress. Folgt auf Phasen der Anspannung keine Erholung, droht das sogenannte Burnout-Syndrom. Der englische Begriff "Burnout" bedeutet "ausbrennen" und bezeichnet einen chronischen Erschöpfungszustand.

Das Burnout-Syndrom ist aber nur die letzte Phase einer Entwicklung, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen kann. Der Weg zum Ausgebranntsein kann unterschiedlich verlaufen. Meist steht am Anfang ein überdurchschnittlicher Arbeitseinsatz. Die Betroffenen verdrängen ihre eigenen Bedürfnisse, halten sich für unentbehrlich und nehmen sich keine Zeit für Erholung.

Zu den psychischen kommen physische Probleme
Die Folge: Sie sind erschöpft und fühlen sich übermüdet. Der Spaß an der Arbeit lässt nach, das eigene Perfektionsstreben allerdings nicht. Die Betroffenen arbeiten oft noch länger und mobilisieren die letzten Energiereserven. Zugleich machen sie immer häufiger Fehler, die ihnen früher nicht passiert wären.

Schließlich lässt das Engagement nach, die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Manche Menschen reagieren darauf depressiv, andere aggressiv. In der Endphase sind die meisten zu emotionalen Regungen kaum noch fähig. Sie vereinsamen und sind verzweifelt. Diese Entwicklung kann von Magen-Darm-Problemen, Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafstörungen sowie Rücken- und Kopfschmerzen begleitet sein.

Alle diese Phase durchlebte auch Ralph Schwaiger. Vor drei Jahren spürte er plötzlich, dass er sich nicht mehr richtig konzentrieren konnte. "In Besprechungen wusste ich nicht mehr, welchen Satz ich zuletzt gesagt hatte. Ich musste Texte mehrmals lesen, um sie zu verstehen. Ich hatte das Gefühl, verrückt zu werden", erzählt der 38-Jährige.

Damit niemand merkte, wie erschöpft und verzweifelt er war, arbeitete er noch länger und härter. Gleichzeitig zog er sich zurück, ging nicht zur Weihnachtsfeier, igelte sich ein. Irgendwann kam der Zusammenbruch.

Tipps, um dem Burnout vorzubeugen

  • Im Beruf: "nein" sagen; Aufgaben delegieren; Probleme mit Kollegen und dem Chef besprechen und Lösungen finden
     
  • Im Privaten: ausreichend schlafen; sich ausgewogen ernähren
     
  • Auszeiten schaffen mit Hobby, Familie, Freunden
     
  • event. Entspannungstechniken: autogenes Training, progressive Muskelentspannung
     
  • Stressabbau durch Sport: Ausdauersportarten (Joggen, Schwimmen, Radfahren) besonders geeignet
      

Ralph Schwaigers Beispiel ist kein Einzelfall. "Besonders Menschen, die sich beruflich stark engagieren, leiden unter dem Burnout-Syndrom", sagt Dr. Christiane Roick, Ärztin im AOK-Bundesverband. Häufig betroffen sind nicht nur Führungskräfte, sondern auch Beschäftigte in helfenden Berufen wie Pflegekräfte, die enormen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt sind.

"Prinzipiell kann es jeden treffen", sagt Roick. Gefährdet sind alle, die unter Dauerstress stehen und keine Gelegenheit haben, ihren "Akku" wieder aufzuladen. Nicht der Stress selbst ist das Problem, sondern der Verlust der Erholungsfähigkeit.

Wer in einer Burnout-Phase steckt, braucht Hilfe. Ein erster Schritt ist es, über die eigenen Sorgen offen zu reden, etwa mit Angehörigen oder Freunden. Wenn das Burnout-Syndrom noch nicht weit fortgeschritten ist, kann schon ein klärendes Gespräch helfen, aber manchmal ist auch eine ärztliche Behandlung erforderlich. "Betroffene sollten sich nicht scheuen, ärztliche oder therapeutische Unterstützung in Anspruch zu nehmen", sagt Roick. In jedem Fall sollten sie die bestehende Situation ändern, um ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Ralph Schwaiger hat die Notbremse gezogen. Er nahm professionelle Hilfe in Anspruch, ließ sich zwei Monate lang in einer psychosomatischen Klinik behandeln. Danach ging es ihm wieder besser. Aber in seinen früheren Job kehrte der Export-Manager nicht mehr zurück. Schwaiger krempelte sein Leben um und wagte einen beruflichen Neuanfang. "Ich wäre sonst wieder krank geworden", sagt er. Jetzt versucht er, sich weniger zuzumuten und mehr Ruhe zu gönnen.



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