Abführmittel nicht dauerhaft anwenden

Abführmittel nicht dauerhaft anwenden

Foto: stock.xchng

Zu den häufigsten Befindlichkeitsstörungen gehört die Verstopfung. Liegen keine organischen Gründe dafür vor - was medizinisch abgeklärt werden muss - ist eine solche Indikation der Klassiker für eine Selbstmedikation. Mittel, die den Darm wieder in Schwung bringen - sogenannte Laxanzien -, sind in der Apotheke frei verkäuflich.

Der Darm kann auf vieles mit Verstopfung reagieren. Ballaststoffarme Ernährung und zu geringe Flüssigkeitszufuhr zählen ebenso dazu wie Stress oder eine Reise. Banale Ursachen lassen sich - außer mit Abführmitteln aus der Apotheke - oft einfach in den Griff kriegen:

  • Ess- und Trinkgewohnheiten umstellen
  • mehr körperliche Bewegung 
  • ohne Zeitdruck auf das stille Örtchen gehen
        

"Die meisten Abführmittel sollten ohne ärztliche Empfehlung nicht länger als ein bis zwei Wochen eingenommen werden", betont Prof. Martin Schulz, Geschäftsführer Arzneimittel der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. 

Abführmittel sollten bei Bedarf also nur und kurzfristig eingesetzt werden. Wenn sie zu lange eingenommen werden, können einige Wirkstoffe selbst eine Verstopfung verursachen. Zudem sollten sie nicht täglich, sondern nur jeden zweiten Tag genommen werden.

Eine Ausnahme bilden Quellstoffe wie Leinsamen oder Flohsamen, die auch langfristig gut verträglich sind. "Aus Unwissenheit nehmen einige Patienten Abführmittel zu häufig oder in zu hohen Dosierungen ein", konstatiert Schulz. "Wer langfristig unter Verstopfung leidet, sollte sich in der Apotheke individuell beraten lassen."

Rund vier Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren verwenden Abführmittel, das sind 2,6 Millionen Menschen. Geeignete Präparate können oft hilfreich sein. Jedoch sollten die Anwendungshinweise genau beachtet werden. Über Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Mittel gibt die folgende Übersicht Auskunft. 

Quell- und Füllmittel
Hierzu zählen Ballaststoff-Präparate wie Weizenkleie oder Leinsamen, die eine große Menge Wasser aufnehmen können. Sie quellen im Darm auf, wodurch der Stuhl weicher und die Darmtätigkeit angeregt wird. Wichtig: Zum Quellen wird eine große Menge Flüssigkeit benötigt. Wird nicht genug getrunken, kann sich die Verstopfung verstärken.

Wasserziehende Mittel
Hierzu gehören Mineralsalze wie Glauber- oder Bittersalz, bestimmte Zucker wie Milchzucker oder Lactulose sowie die künstliche Substanz Polyethylenglykol. Diese Mittel bewirken den Einstrom von Wasser in den Darm. Um diese Wassermenge zur Verfügung zu haben, muss sehr viel getrunken werden. Da sie den Wasser- und Salzhaushalt stören, sind Mineralsalze ungeeignet für eine längere Anwendung oder bei Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen. Milchzucker, Lactulose und Polyethylenglykole sind gesundheitlich unbedenklich. Als Nebenwirkung kommt es bei den Zuckern häufig zu vermehrter Gasbildung.

Anthrachinonhaltige Mittel
Pflanzliche Abführmittel wie Aloe, Rhabarberwurzel oder Faulbaumrinde enthalten als Wirkstoffe Anthrachinone. Weil es sich um pflanzliche Präparate handelt, werden sie häufig für schonend gehalten. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sie sind drastisch wirkende Mittel. Außerdem besteht Gefahr für den Wasser- und Salzhaushalt. Anthrachinonhaltige Mittel dürfen nur in kleinen Packungsgrößen für akute Verstopfung mit kurzfristigem Bedarf abgegeben werden. Obacht: Schwangere oder Stillende sowie Kinder dürfen sie nicht verwenden.

Die Darmmuskulatur anregende Mittel 

Präparate mit den Wirkstoffen Bisacodyl oder Natriumpicosulfat wirken direkt im Dickdarm. Sie regen die Tätigkeit der Darmmuskulatur an und bringen auf diese Weise die Darmfunktion wieder in Gang. Diese Wirkstoffe werden als unbedenklich eingestuft.



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