Mit frischer Luft und mäßiger Bewegung zum gesunden Schlaf

- Foto: Bilderbox
Der Mensch verschläft fast ein Drittel seines Lebens. Doch zahlreiche Fragen zum Schlaf sind ungeklärt. Eine davon konnten Schlafforscher auf ihrer Jahrestagung jetzt beantworten: Sex verhilft zu einem gesunden Schlaf, Sport dagegen eher nicht.
"Früher dachte man, dass Schlafstörungen eine Folge anderer Erkrankungen sind. Heute weiß man, dass es oft umgekehrt ist: Viele Krankheiten verstärken sich oder existieren gar nur, weil der Betroffene schlecht schläft." Diesen Zusammenhang erklärte der Präsident Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) Geert Mayer.
Gerade Herz-Kreislauf-Erkrankungen hätten oft ihre Ursache in schlechtem Schlaf über längere Zeiträume hinweg. "Wir haben außerdem einen signifikanten Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und Krankheiten wie Demenz oder Parkinson festgestellt", berichtet der Neurologie-Professor. So hätten 69 Prozent der Parkinson-Patienten laut einer Studie früher Schlafstörungen gehabt.
Eine Faustregel zum Schlafpensum gibt es nicht
"Vier Stunden die Männer, fünf die Frauen. Und sechs die Dummköpfe", soll Napoléon Bonaparte über den Schlaf gesagt haben. "Es gibt keine feste Regel, nicht einmal eine Faustregel", sagt hingegen Schlafmediziner Mayer.
"Oft kommen alte Leute und wollen ihre acht Stunden schlafen, dabei braucht ihr Körper das nicht. Andere klagen, dass sie nach neun Stunden erst ausgeschlafen sind, und auch das ist völlig normal", beruhigt Mayer.
Und aus Statusgründen als dynamischer, kraftvoller "Wenigschläfer" gelten zu wollen, könne gefährlich werden: "Jeder Mensch braucht seinen Schlaf. Und wir haben keine Hinweise, dass man sich eine kürzere Schlafzeit antrainieren kann." Immerhin sei in den vergangenen 50 Jahren in den Industriegesellschaften die Schlafzeit um 1,5 Stunden gesunken. Der Durchschnittsdeutsche schläft am Tag 7,1 Stunden lang.
Schlafstörungen im Kindesalter
"Etwa 40 Prozent aller Kleinkinder haben schon Schlafstörungen", berichtet der Chefarzt der Kinderklinik Köln-Porz Alfred Wiater. Das nehme mit der Zeit ab, aber die größeren Kinder litten dann unter Tagesmüdigkeit. "Im Gymnasialalter ist das jeder Dritte", gibt Wiater an.
Damit Kinder gut schlafen, sollte ihr Medienkonsum eingeschränkt werden, rät Wiater: Tabu ist ein spannender Film oder ein Videospiel kurz vor dem Schlafen. Die meisten Kinder mit Schlafstörungen haben laut Wiater in ihrer Jugend psychische Auffälligkeiten wie Angst, Depressionen oder Hyperaktivität.
Gesunde Ernährung, viel Bewegung und Sex
Damit dieser Schlaf erholsam ist, empfehlen die Schlafmediziner eine gesunde Ernährung und viel Bewegung. Frische Luft und Bewegung begünstige einen erholsamen Schlaf, vor dem Zu-Bett-Gehen sollte man es aber ruhig angehen lassen: «Sport oder andere Aufregung schüttet Hormone aus, die den Körper innerlich noch wach halten», warnt Mayer.
Eine Ausnahme gibt es, die immer noch nicht ganz erforscht ist: Sex. "Wir vermuten die positiven Auswirkungen deshalb, weil der Körper zwar aufgeregt, aber dann entspannt ist", erklärt Mayer.
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